Jährlich zeichnet die Körber-Stiftung gesellschaftlich relevante Promotionen mit dem Deutschen Studienpreis aus. Ende Juli wurden die Preisträger:innen 2025 bekannt gegeben. Ihre Themen unter anderem: Gesundheitsfolgen der Wirtschaftskrise für die „Wendekinder“, Grundrechte im digitalen Raum und klimaresiliente Gebäudefassaden.
Alle Ausgezeichneten finden sich mit ihren Themen auf der Website der Körber-Stiftung. Den Preis begleite ich seit über zwölf Jahren beratend in der Kommunikation – seit vergangenem Jahr gemeinsam mit Marcus Flatten.
Vielfältig, aktuell, gesellschaftlich relevant
Schon wenn im Frühjahr die Liste der Nominierten veröffentlicht wird, bin ich jedes Mal beeindruckt von der Vielfalt der Themen und ihrer gesellschaftlichen Aktualität. Es lohnt sich, auch einen Blick auf diejenigen zu werfen, die es nicht unter die besten drei ihres Faches geschafft haben. Denn gesellschaftlich relevant und wissenschaftlich fundiert ist ihre Forschung allemal. In diesem Jahr haben sich zum Beispiel gleich zwei Dissertationen mit dem Aufstieg rechtsextremer, nationalistischer Parteien befasst und unter anderem die Rolle von Politik und Medien dabei untersucht.
Die ersten Plätze in diesem Jahr widmen sich aktuellen Problemlagen und bringen mit ihrer Forschung zugleich konkrete Lösungsvorschläge in die öffentliche Debatte ein.
Gebäudefassaden stärken Klimaresilienz
Christina Eisenbarth hat an der Universität Stuttgart erforscht, wie eine neue Methode der Fassadengestaltung die Klimaresilienz in Städten wirtschaftlich und effizient steigern könnte. Sie hat dafür Fassadenelemente aus Textil zur Regenwasseraufnahme und Verdunstungskühlung entwickelt. In Städten speichern diese Elemente Feuchtigkeit und geben sie dann wieder ab, wenn die Städte und ihre Bewohner:innen unter Hitze leiden.
Gesundheit von Kindern in wirtschaftlichen Krisenzeiten schützen
Lara Bister hat an der Universität Groningen die langfristigen Gesundheitsfolgen der Wiedervereinigungszeit für die „Wendekinder“ in Ostdeutschland erforscht. Sie weist nach, dass in Ostdeutschland kurz vor der Wende geborene Kinder bis heute unter einem deutlich schlechteren Stoffwechsel leiden und häufiger psychische Gesundheitseinschränkungen aufweisen als ihre westdeutsche Vergleichsgruppe. Sie fordert politische Präventionsstrategien für wirtschaftliche Krisenzeiten und schlägt unter anderem Unterstützungsprogramme für Familien vor.
Grundrechte in der digitalen Kommunikation sichern
Christian Ollig hat an der Universität Hamburg in Rechtswissenschaften promoviert und sich mit der Frage beschäftigt, wie sich große Plattformen von TikTok bis Facebook an die Grundrechte binden lassen. Mit seinem Ansatz, Kommunikationsplattformen ähnlich wie Staaten zu behandeln, ergeben sich im Rahmen des europäischen Digital Services Act neue Möglichkeiten der Regulierung. Angesichts von gezielter Desinformation, Hatespeech und Intransparenz würde die öffentliche Kommunikation davon deutlich profitieren.
Stärkung junger Wissenschaftler:innen für die Wissenschaftskommunikation
Die Auszeichnung der Körber-Stiftung geht über das Preisgeld hinaus: Die jungen Wissenschaftler:innen werden motiviert und unterstützt, ihre Themen in die öffentliche Debatte einzubringen. Das geschieht in den kommenden Monaten unter anderem in Veranstaltungen und Podcasts, die die Stiftung organisiert. Zugleich greifen auch Medien die Themen und Ideen der Forschenden auf, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen.
Und die Verbindungen bleiben bestehen: Über die Jahre ist ein starkes Netzwerk ehemaliger Preisträger:innen gewachsen. Ihnen bietet die Körber-Stiftung auch lange nach der Auszeichnung eine Bühne. So ist zum Beispiel der Soziologe Aladin El Mafaalani, Preisträger im Jahr 2013, in diesem Jahr im Podcast „Listen to Wissen“ zu hören – diesmal mit seinem ganz aktuellen Thema: „Warum haben Kinder keine Lobby?“
Fotos: David Ausserhofer/Körber-Stiftung


